Beatboxen in der Kita - Hamburger Projekt Mini-Beatzzz

120 Kinder schauen gebannt zu, wie Guido Höper das Mikrofon zum Mund führt und komische Geräusche produziert. Erst klingt er wie ein altersschwacher Roboter, dann wie ein menschliches Trommelorchester. „Mach eine Gitarre“, ruft Enes, und Guido erfüllt ihm diesen Wunsch unter freudigem Gelächter aller Kinder der Kita Koppelstieg in Wilhelmsburg.

„Wisst ihr was Beatboxen ist?“ fragt der 24-Jährige in die Runde der Vier- bis Sechsjährigen. „Das ist so eine Art Schlagzeug mit dem Mund. Man lernt, ganz viele Geräusche und sogar Musik zu machen. Wollt ihr das auch?“ ruft er den Kindern zu. „Jaa“, antworten die Kleinen und eifern aufmerksam nach, was Beatboxer Guido ihnen vormacht.

Nicht nur in die Kita Koppelstieg des Arbeiter-Samariter-Bundes Hamburg, sondern auch in die Kita Löwenzahn der Arbeiterwohlfahrt Hamburg in Poppenbüttel kommt Guido nun für zwei Stunden pro Woche, um mit insgesamt drei Gruppen zu beatboxen. Das gemeinsame Pilotprojekt Mini-Beatzzz der Hamburger Koordinierungsstelle ‚MEHR Männer in Kitas’, die beim PARITÄTISCHEN Hamburg angesiedelt ist, und des gemeinnützigen Vereins Crossover ist im März 2012 gestartet. Das Projekt nutzt das Potenzial von Musik und Rhythmik zur Sprachförderung von Kindern und zugleich zur Berufsorientierung von jungen Männern. „Das Beatboxen ist für uns eine ganz neue Form der Sprachförderung. Wir hoffen, dass besonders Kinder mit großen sprachlichen Anlaufschwierigkeiten davon profitieren werden“, erzählt Antje Fuhrmeister, stellvertretende Leiterin der Kita Koppelstieg.

Guido Höper, ausgebildeter Sozialpädagogischer Assistent und eines der Gesichter der Kampagne „Vielfalt, MANN! Dein Talent für Hamburger Kitas“, betreibt schon seit vielen Jahren Beatboxing. „Was gibt es Schöneres, als sein Hobby in den Beruf einzubringen?“ Seine Begeisterung für die Arbeit mit Kindern ist ihm anzusehen.

Nachdem Guido sich der Gesamtgruppe vorgestellt hat, geben die Erzieher bekannt, welche Kinder in die zwei Kleingruppen mit jeweils acht Kindern kommen. Anschließend übt der Crossover-Coach mit den zwei Gruppen weiter, die in den nächsten Wochen an den Beatbox-Workshops von ihm teilnehmen. Die 16 Kinder haben sichtlich Spaß. Einige erstellen mithilfe von Guido und einem Aufnahmegerät – der sogenannten Loopstation – eine Soundschleife. „Hallo“ rufen zwei der Sprösslinge ins Mikrofon, andere zischen oder imitieren Löwengebrüll. Ein paar der Kinder trauen sich noch nicht, in das Mikrofon zu sprechen. Besonders für sie erhoffen sich die Verantwortlichen durch Mini-Beatzzz mehr Selbstbewusstsein und den Mut zur eigenen Stimme. „Guido hat eine wunderbare Art, mit Kindern umzugehen. Schon in der ersten Stunde ist es ihm gelungen, selbst diejenigen zum Mitmachen zu bewegen, die sonst kaum sprechen“, zeigt sich Erzieher Michael Galun der Kita Koppelstieg begeistert.

Das Projekt Mini-Beatzzz läuft insgesamt bis Februar 2013. Guido wird noch in weiteren Kitas des Hamburger Netzwerkes ‚MEHR Männer in Kitas‘ als Beatbox-Coach arbeiten. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass die Kita vorwiegend sozialbenachteiligte Kinder betreut und nach Möglichkeit ein Konzept zur Praktikantenbetreuung vorliegt. Der ungewöhnliche Ansatz soll auch dazu dienen, Jungen in der Berufsorientierungsphase mit dem vielfältigen Aufgabenspektrum von Erziehern und Erzieherinnen vertraut zu machen.

 

Ablauf der Workshops:

Kita Koppelstieg
ARBEITER-SAMARITER-BUND Hamburg
Koppelstieg 40
21109 Hamburg

Die Beatbox-Workshops mit Guido Höper finden in der Kita Koppelstieg in zwei Gruppen unterschiedlichen Alters statt:
Gruppe 1: 8 Kinder aus einer Vorschulgruppe (fünf bis sechs Jahre alt), donnerstags von 10 bis 10.45 Uhr
Gruppe 2: 8 Kinder aus dem Elementarbereich (vier Jahre alt), donnerstags von 11 bis 11.45 Uhr
Die Projektlaufzeit ist angesetzt bis 16. Juli 2012. Die Workshops finden pro Gruppe einmal pro Woche statt.


Kita Löwenzahn
Arbeiterwohlfahrt Hamburg
Tegelsbarg 2h
22399 Hamburg

Die Beatbox-Workshops in der Kita Löwenzahn finden in einer Gruppe aus 8 Kindern zwischen drei und vier Jahren statt. Guido kommt zweimal die Woche, jeweils montags und mittwochs von 11.15 bis 12 Uhr.
Die Projektlaufzeit ist für ein halbes Jahr, bis Ende September 2012, angesetzt.

Eine genaue Projektbeschreibung kann man sich hier runterladen.

 

Crossover hat das Konzept zum Pilotprojekt Mini-Beatzzz entwickelt. Der von Julia von Dohnanyi und Samy Deluxe gegründete Verein bringt seit 2007 Kinder und Jugendliche zusammen, die durch erlebnisorientiertes Lernen Mut zu Eigeninitiative entwickeln sowie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverantwortung gefördert werden.

Ein Team von insgesamt 30 Coaches – professionelle Künstler, Musiker, Tänzer, Sportler – arbeitet in verschiedenen Projekten und Workshops (Beatbox, Graffiti, Rap, Tanz, Gesang, u.v.m.) mit Kindern aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Nationalitäten. Sie werden zu grenzüberschreitendem Denken angeregt und motiviert ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern. Sie entdecken neben eindeutigen Unterschieden auch ihre Gemeinsamkeiten und lernen, dass neue Eindrücke auch neue Chancen bedeuten und Ängste überwunden werden können.

Mehr Infos zu Mini-Beatzzz gibt es hier.