06.12.2012

Erste Ergebnisse der TANDEM-Studie zum Kita-Bereich: Nur marginale Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Fachkräften

Fachtagung des Hamburger Netzwerks ‚MEHR Männer in Kitas’ „Geschlechterbewusste Pädagogik in der Kita“

follow site  Frauen sind im Umgang mit Kindern einfühlsamer, Männer herausfordernder, so eine verbreitete Annahme. Die Praxis in der Kita zeigt jedoch, dass nach formalen Kriterien kein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht. Weibliche und männliche Kita-Fachkräfte stimmen in der Art und Weise, wie sie sich Kindern gegenüber verhalten, größtenteils überein. Das ist das vorläufige Ergebnis der TANDEM-Studie „Macht das Geschlecht einen Unterschied?“ von Holger Brandes, Prorektor der Evangelischen Hochschule Dresden. Er präsentierte sein Zwischenfazit auf der heutigen Fachtagung „Geschlechterbewusste Pädagogik in der Kita“ vom Hamburger Netzwerk ‚MEHR Männer in Kitas’.

go to link In der TANDEM-Studie wurde das Verhalten von Kita-Fachkräften in alltagsnahen pädagogischen Situationen erfasst. Dabei zeigte sich, dass Unterschiede eher vom Geschlecht der Kinder ausgehen. So thematisieren sowohl Pädagoginnen als auch Pädagogen mit Mädchen vorzugsweise die Beziehung oder Persönliches. Mit Jungen wird dagegen stärker sachorientiert-funktional gesprochen. Zudem spielen bei Mädchen mehr assoziative Phantasien oder Erzählungen eine Rolle als bei Jungen.

Das schlägt sich beim praktischen Tun gleichermaßen nieder. Mit Jungen werden deutlich häufiger Objekte wie Autos, Bauwerke oder Flugzeuge gebaut. Mit Mädchen werden dagegen bevorzugt Subjekte wie Menschen oder Tiere gebastelt. Bei den männlichen Fachkräften sind die unterschiedlichen Verhaltensweisen gegenüber Jungen und Mädchen ausgeprägter als bei weiblichen Fachkräften.

Die zweite Fachtagung des Hamburger Netzwerks ‚MEHR Männer in Kitas’ widmete sich vor diesem Hintergrund der Frage, wie eine vorurteilsbewusste Pädagogik der Vielfalt in Hamburger Kitas gestaltet werden kann. Die damit verbundenen Ziele Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit werden in der Neufassung der Hamburger Bildungsempfehlungen unter dem Leitbegriff „Inklusion“ als Qualitätsmerkmal von Kitas besonders hervorgehoben. Petra Wagner, Direktorin des Instituts für den Situationsansatz an der Freien
Universität Berlin, hob in ihrem Vortrag hervor, dass inklusive – und damit auch geschlechterbewusste – Bildung viel von den Kita-Fachkräften abverlangt.

here Für eine gelingende Umsetzung „inklusiver Bildung“ sind Arbeitsbedingungen erforderlich, die eine kontinuierliche Reflexion der eigenen Praxis erlauben. Schließlich sind Kita-Pädagoginnen und -Pädagogen aufgefordert, ihre eigenen Handlungen stets kritisch zu beleuchten. Im Mittelpunkt steht das Mädchen oder der Junge, dem eine Lebensgestaltung zugestanden werden soll, die nicht mit der eigenen übereinstimmen muss. Damit treten die Norm- und Wertvorstellungen der Frauen und Männer in der Kita mitunter in den Hintergrund und werden nicht als einzig wahre Grundlage für ein bestimmtes Lebensmodell behauptet.

Neben Wagner und Brandes gaben Michael Cremers und Jens Krabel von der Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ am Vormittag einen Einblick in die Praxis einer geschlechterbewussten Pädagogik in Kitas. Den krönenden Abschluss fand die Veranstaltung in der PANEL-Diskussion zur TANDEM-Studie und den Hamburger Bildungsempfehlungen mit allen Referentinnen und Referenten sowie Petra Strehmel, Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

 

Zum Hamburger Modellprojekt ‚MEHR Männer in Kitas’:

Die Koordinierungsstelle des Hamburger Netzwerkes ‚MEHR Männer in Kitas’ ist beim PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Hamburg angesiedelt und wird als eines von 16 Modellprojekten bis Ende 2013 neue Strategien und Maßnahmen entwickeln, um mehr Jungen und Männer für den Erzieherberuf zu gewinnen.

Das Aktionsbündnis läuft unter dem Kampagnendach „Vielfalt, MANN! Dein Talent für Hamburger Kitas“ und wird von allen Hamburger Kita-Anbietern sowie Verbänden getragen. Dazu gehören das Diakonische Werk Hamburg, die Arbeiterwohlfahrt Hamburg, das Deutsche Rote Kreuz Landesverband Hamburg, die Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreise Hamburg-West/Südholstein und Hamburg-Ost, der Caritasverband für Hamburg, die Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten und SOAL Alternativer Wohlfahrtsverband.

Das ESF-Modellprogramm ‚MEHR Männer in Kitas’ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und ist Teil der gleichstellungspolitischen Gesamtinitiative „Männer in Kitas“. Das Projekt soll dazu beitragen, den Anteil männlicher Fachkräfte in Kitas mittelfristig auf 20 Prozent zu erhöhen.