10.03.2015

"Lernort Praxis": regelmäßige Anleitungsgespräche sind großer Gewinn

Seit August 2013 nehmen drei Kitas des Trägers source link Kinderwelt Hamburg e.V./Flachsland Zukunftsschulen go site gGmbH am ESF-Programm Lernort Praxis teil. Die Praxismentorin Jacqueline Dechandt blickt in einem kleinen Interview auf die ersten anderthalb Jahre zurück.

 Warum nimmt Flachsland/Kinderwelt an dem Projekt Lernort Praxis teil?
Die Kindertagesstätten von Kinderwelt Hamburg e.V. und der Flachsland Zukunftsschulen gGmbH verstehen sich schon vor Beginn des Projektes als „Lernort Praxis“. Es ist unabdingbar, Praktikantinnen und Praktikanten so anzuleiten, dass sie eine Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis herstellen können. Schließlich haben viele vor Beginn des Praktikums noch keinen Kontakt zu Kindern gehabt und kennen die kindlichen Entwicklungsphasen nicht. Und nicht zuletzt ist die sorgfältige Ausbildung wichtig, um qualifizierten Nachwuchs zu finden und zu fördern.

Welche Erwartungen hatten Sie an das Projekt?
Es geht uns von Anfang an um die Qualität der Praktikantenanleitung. Wir wollen Anleitungsstandards entwickeln, von denen PraktikantInnen und Anleitende profitieren. Beide Seiten bekommen dadurch Sicherheit über die Ausbildungsinhalte. Auch die Hoch- und Fachschulen bekommen so eine Vorstellung davon, wie Anleitung in den Kindertagesstätten abläuft. Das Projekt hilft uns dabei, eine trägerinterne Anleitungskonzeption zu entwickeln, die für die Anleitung von PraktikantInnen verschiedener Ausbildungsstätten anwendbar ist. Im Lernort Praxis werden PraktikantInnen unterschiedlicher Ausbildungswege betreut, von Hoch- und Fachschulen, in der Erst- und auch in der berufsbegleitenden Ausbildung. Weiterhin leiten wir Freiwilligendienstler und Quereinsteigende an. Wir möchten durch das Projekt zeigen, welchen professionellen Anteil der Lernort Praxis an der Ausbildung zukünftiger Fachkräfte hat und wieviel Ressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden.
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Wurden diese Erwartungen bisher erfüllt?

Wir sehen das Projekt als Gewinn. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert eine halbe Stelle für die Praktikantenanleitung sowie einen Etat für Sachmittel. Diese Ressourcen investieren wir in eine vielfältige Auseinandersetzung mit dem Thema Anleitung und einer ausdifferenzierten Anleitungskonzeption. Bei unseren regelmäßig stattfindenden Leitungsrunden werden zum Beispiel alle Leitungen der Kitas regelmäßig über „Lernort Praxis“ und die damit verbundenen Aktivitäten informiert. Die Leitungen geben diese Informationen an ihre Teams, insbesondere an die Anleitende weiter. Insgesamt sind die Leitungen und Anleitende der Häuser durch die Projektteilnahme für die Praktikantenanleitung sensibilisiert. Das wurde bei unseren jährlich stattfindenden Praktikantentreffen deutlich: Die Zufriedenheit der Teilnehmenden ist zwischen 2013 und 2014 deutlich gewachsen. Die regelmäßigen Anleitungsgespräche helfen bei der Reflexion und verzahnen Theorie und Praxis. Auch die gegenseitige Anerkennung von Lernort Praxis und Lernort Schule wächst durch das Projekt.

Wie sieht Praxisanleitung in den Projekt-Kitas aus?
Die PraktikantInnen haben in den Kitas eine feste Anleitungsperson und in der Regel auch eine Co-Anleitung (als Vertretung). Es finden regelmäßige Gespräche statt, bei denen die aktuelle Situation in der Schule, Erlebnisse in der Kita sowie Schwerpunkte der pädagogischen Konzeption wie beispielsweise bei Kinderwelt und go site Flachsland Partizipation, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung oder Bilingualität besprochen werden. Eine verbindliche Ansprechperson stellt sicher, dass am Ende ein Entwicklungsverlauf des Praktikanten aufgezeigt werden kann. Da die Gespräche dokumentiert werden, ist auch der bzw. die Co-Anleitende jederzeit im Bilde.

Was sind die Haupterkenntnisse des Projektes?
Die bisherige Haupterkenntnis ist die Bedeutung von qualifizierter Anleitung. Hierzu gehören nicht nur ein verbindlicher Standard, sondern auch, dass die Anleitenden ihre Rolle motiviert ausüben und entsprechendes Handwerkszeug erhalten. Sie benötigen eine Qualifizierung für diese anspruchsvolle Tätigkeit, weshalb auch ab Sommer 2015 trägerintern eine Fortbildung dazu angeboten wird. Für die PraktikantInnen ist es zudem wichtig, dass sie Aufgaben bekommen, die auch in der pädagogischen Arbeit benötigt werden und an denen sie sich erproben können. Das fördert das Interesse und die Motivation. 

Was sind aus Ihren Erfahrungen die Hauptknackpunkte bei der Zusammenarbeit zwischen Kita und Fachschule?

Wir Praxismentoren stellen fest, dass die Schulen gerne bereit sind, sich mit den Kitas über Lerninhalte und die Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen. Jedoch geben die Lehrpläne der Schulen nicht viel Spielraum. So wünschen sich die PraktikantInnen häufig zu Beginn mehrwöchige Blockpraktika (acht Wochen), um die Kitas und den Alltag und die Abläufe kennen zu lernen. Erfreulich wäre außerdem, wenn die Lehrpläne stärker auf die Praxis abgestimmt werden könnten.
Wir arbeiten weiter mit den Fachschulen zusammen und hoffen, dass wir Möglichkeiten finden, um die Verzahnung zwischen Lernort Schule und Lernort Praxis weiter zu optimieren.
Eine große Schwierigkeit für die Fachschulen und Kitas ist dabei, dass keine Ressourcen für die gegenseitigen Kooperationen zur Verfügung stehen. Dadurch wird eine intensive Zusammenarbeit erschwert.

source Gibt es schon etwas, das Sie anderen Trägern empfehlen können bzw. etwas, das Sie nach Ende des Projektes weiterführen werden?
Grundsätzlich ist es wichtig, mit den PraktikantInnen wertschätzend und respektvoll umzugehen und sich bewusst zu machen, dass es sich um eine Ausbildungssituation handelt. Der Nachwuchs muss die Chance bekommen, sich im pädagogischen Alltag zu erproben und das Arbeitsfeld in allen Facetten kennenzulernen. AnleiterIn sollte nur werden, wer diese Rolle gern ausübt und sich auch genügend Zeit dafür nehmen kann.

Wie eng ist der Kontakt zu den anderen Lernort Praxis-Teilnehmern in Hamburg? Kann sich daraus etwas für ganz Hamburg entwickeln?
Der Kontakt zu den anderen Praxismentoren aus Hamburg ist eng. Wir haben regelmäßige so genannte Praxismentorentreffen in Hamburg eingeführt. Sogar eine Teilnehmerin aus Lüneburg nimmt daran teil. Bei den Treffen beschäftigen wir uns mit Schwerpunkten wie beispielsweise Praktikantenbeurteilungen. Im Jahr 2015 möchten wir die Treffen quartalsweise durchführen, um den Austausch zu intensivieren. Wir sehen uns dabei nicht als Konkurrenten, sondern arbeiten gemeinsam daran, dass die Kitas als Lernort Praxis anerkannt werden.