1. Netzwerktreffen ‚MEHR Männer in Kitas’ 2014

Trotz Urlaubszeit kamen 35 Menschen zusammen, um ihr Interesse an unserem Netzwerk zu bekunden, sich auszutauschen und weiter an dem Thema MEHR Männer in Kitas zu arbeiten. Einige TeilnehmerInnen waren teilweise das erste Mal dabei, andere waren treue langjährige WeggefährtInnen.

Zu Beginn verschaffte ein kurzer Film über die Ergebnisse und Erfolge des abgeschlossenen ESF-Modellprojektes (2011-2013) einen guten Einblick in die bisherige Arbeit. Danach stellte Katja Gwosdz vom PARITÄTISCHEN kurz die Eckpunkte der Weiterführung der Netzwerkarbeit dar. Mit Mitteln der BASFI, des HIBB und des PARITÄTISCHEN wurde beim Verband eine 15-Stunden-Stelle dafür eingerichtet. Die Hauptaufgaben für 2014 und ggf. 2015 werden sein: Beratung von Frauen und Männern über Wege in den Erzieherberuf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und natürlich Netzwerkarbeit. Im Anschluss daran waren die TeilnehmerInnen aufgefordert, ihre Erwartungen und konkreten Wünsche an das Netzwerk auf eine Metaplanwand zu pinnen.

Danach berichtete Cornelia Heider-Winter über das geplante neue ESF-Programm zum Quereinsteig, das für die Jahre 2015 bis 2020 pro Projekt insgesamt 75 Teilnehmer und Teilnehmerinnen in der BWB vorsieht. Projektträger können Kita-Träger oder Trägerverbünde werden, die eine Fachschule als Kooperationspartner finden. Sowohl auf Fachschulseite als auch auf Trägerseite wird eine Stelle zur Koordination und inhaltlichen Steuerung gefördert. Die Quersteinsteiger sollen eine monatliche Vergütung von 1250 Euro erhalten, die teilweise über das Projekt refinanziert wird. Voraussichtlich im August beginnt das Antragsverfahren. In der anschließenden Diskussion kristallisierte sich seitens der Fachschulen und Träger durchaus Interesse heraus. Jedoch gab es auch Bedenken bezüglich der für kleinere Träger hohen Teilnehmerzahl, der relativ hohen Vergütung und der Tatsache, dass es jetzt schon sehr viele Bewerber für BWB gibt.

Nach einer kleinen Kaffee-Pause begannen die drei parallelen Foren.

Forum 1: Berufsbegleitende Weiterbildung - ein Zukunftsmodell?

Eingangs beschrieb Herr Büth für einen großen konfessionellen Hamburger Kita-Träger den fachlichen Gewinn, den sie als Träger in der idealen "Theorie-Praxis-Verzahnung" an ihren Standorten wahrnehmen würden. Hier würden die guten Erfahrungen des dualen Ausbildungssystems mit den positiven Erfahrungen des deutschen Fachhochschul-Systems fortgeschrieben.

Monetäre Nachteile des Trägers kompensieren sich lt. seiner Einschätzung durch
a) fehlende Einarbeitungskosten
b) passgenauen Einsatz und
c) langfristige Personalbindung

Aus der Praxis wurde über verschiedene Träger ergänzt, dass hier in aller Regel gestandene Persönlichkeiten mit hoher Berufsmotivation und Lebenserfahrung den Kitaalltag - vom ersten Tag an - bereichern würden.

Herr Dr. Samland und Frau Jasper (Leitungsteam der FSP I) hoben das hohe Qualifikationsniveau der Absolventen hervor, die "den Stoff förmlich aufsaugen" würden. Die hohe intrinsische Motivation der "TeilnehmerInnen" (...die FSP I verzichtet bei diesen Absolventen bewusst auf die Bezeichnung "Schüler") kompensiere aus schulischer Sicht deutlich die fehlende Praxis. Das Niveau der Quereinsteigerklassen liege eindeutig über dem der Vollzeitausbildungs-Klassen.

Frau Jasper wies vor diesem Hintergrund jedoch zutreffend auf einen Vorteil der VZ-Ausbildung hin. Im Gegensatz zu den Quereinsteigern kommen diese Schüler während der Ausbildung mit mind. zwei sozialpädagogischen Aufgabenfeldern in Berührung. Dies sei bei den Quereinsteigern naturgemäß nicht vorgesehen.

Interessant auch die mehrfach geäußerte Einschätzung von Kita-Leitungen, dass sie sich für die (festangestellten) Quereinsteiger anders verantwortlich fühlen als für wechselnde "Praktikanten der VZ-Ausbildung". Auch dies dürfte dem Niveau der Ausbildung entgegenkommen.
Herr Dr. Utcke vom Vorstand des LEA äußerte ebenfalls große Zustimmung zu dem Modell. Der LEA verknüpfte diese Einschätzung - genau wie Träger und Praxisvertreter/innen - jedoch mit folgenden zentralen Forderungen:

  • Ausreichende Zeiten für Anleitung müssen im Stundenschlüssel gewährleistet - und somit auch refinanziert sein!
  • Auch (hochmotivierte) Quereinsteiger können/dürfen nur schrittweise auf den Stellenschlüssel angerechnet werden.
  • Das Angebot darf aufgrund seiner Rahmenbedingungen (insbes. der fehlenden Refinanzierung!) nicht nur für größere Träger umsetzbar sein.

Für die sehr kleine(!) Gruppe quereinstiegswilliger Personen ohne pädagogische Vorerfahrungen (z.B. im Ehrenamt, FSJ, Zivildienst oder BFD) sollte über die verpflichtende Möglichkeit eines vorgeschalteten Praktikums nachgedacht werden.

 

 

Forum 2: Lernort Praxis

In Forum 2 bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer praktische Einblicke in die Erfahrungen von zwei projektbeteiligten Kita-Trägern. Jacqueline Dechandt von Kinderwelt Hamburg e.V./Flachsland Zukunftsschulen gGmbH sowie Jadranka Peric, stellvertretende Leitung der DRK Kindertagesstätte „Leuchtkäfer“ berichteten über ihre bisherigen Erkenntnisse mit 'Lernort Praxis'.

Drei übergeordnete Themenkomplexe haben sich im Forum herauskristallisiert:

click Was durch das Projekt gelernt wurde:

  • Durch das Projekt wurde die Praxisanleitung aus dem Dornröschenschlaf geholt.
  • Der Austausch mit Schulen kann noch verbindlicher werden.
  • Das Programm 'Lernort Praxis' dient gleichzeitig der Profilierung als guter Arbeitgeber und als kompetenter Ausbildungsbetrieb. Die Kita ist ein Lern- und Ausbildungsort für potentielle Fachkräfte. Diese Wahrnehmung setzt sich mit dem Programm stärker durch.
  • Die PraxisanleiterInnen spüren bei ihrer Arbeit eine Ambivalenz der Rollen - zwischen Praxisanleitung und KollegIn.
  • Die GBS-Standorte stehen bei der Praxisanleitung noch ganz am Anfang.
  • Das Thema Wertschätzung kommt im Projekt sehr zum Tragen. Die PraktikantInnen waren es oftmals nicht gewohnt, ernst genommen zu werden.

W click here as gute Praxisanleitung braucht:

  • Für die gezielte Praxisanleitung müssen Einrichtungen personelle/zeitliche Ressourcen bereitstellen.
  • Durch eine gute Praxisanleitung können Mitarbeitende schon während der Ausbildung an den Arbeitgeber gebunden werden.
  • Gute Praxisanleitung bedarf klarer Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten.
  • Die gute Praxisanleitung steht und fällt mit der Haltung der Einrichtungsleitung. Sie muss von der Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit der Praxisanleitung überzeugt sein, um diese Haltung ihrem Team zu vermitteln und sie mit Leben zu füllen.
  • Gezielte Praxisanleitung benötigt Standards und ein Konzept. Diese Standards sollten regelmäßig reflektiert werden. Doch es genügt nicht, nur Konzepte für die Praxisanleitung zu entwickeln. Sie müssen gelebt werden, damit sie in der Praxis spürbar sind.

follow Offene Fragen:

  • Mit 'Lernort Praxis' geht die Idee einher, bundesweite Standards für Praxisanleitung im Kita-Bereich zu entwickeln. Wie dies in die Praxis umgesetzt werden soll, ist noch offen.
  • Die beteiligten Träger müssen noch Antworten auf die Frage finden, wie die Nachhaltigkeit nach Projektende gesichert werden kann.
  • Die Hamburger Standards für die praktische Ausbildung beinhalten schon viele wertvolle Informationen, die für die Praxisanleitung noch gezielter genutzt werden könnten. Hier sollte geklärt werden, ob noch Potenzial brach liegt.
  • Bei der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Institutionen kam die Frage auf, wie Kooperationen gehandhabt werden, die zwischen Organisationen mit unterschiedlichen Wertevorstellungen stattfinden.
  • In Hamburg sind viele Modellprojekte des bundesweites Programms 'Lernort Praxis' konzentriert angesiedelt. Es wurde erörtert, ob ein Zusammenhang mit der Arbeit des Hamburger Netzwerks 'MEHR Männer in Kitas' besteht.

 

 

Forum 3: Hamburger Netzwerk – gemeinsam aktiv werden!

In dem Forum war deutlich der Wunsch zu spüren, das Netzwerk weiter zu erhalten und sich weiterhin/zukünftig dafür zu engagieren. Die Zuversicht, dass trotz mangelnder finanzieller Ausstattung etwas bewegt werden kann, ist groß.
Zunächst wurden die Erwartungen und Wünsche des Plenums bezüglich des Netzwerkes geclustert. Dabei kristallisierten sich einige Schwerpunkte heraus: Ganz wichtig sind den TeilnehmerInnen Vernetzung und weiterer Austausch zu dem Thema. Zahlreiche Aspekte rund um die Berufsbegleitende Weiterbildung spielen ebenfalls eine sehr große Rolle. (Öffentliche) Anerkennung von männlichen Erziehern ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, ebenso der Wunsch nach Männerarbeitskreisen, um gezielt Erziehern Austausch und Qualifizierung zu bieten.

Danach haben die ForumsteilnehmerInnen in einem Brainstorming eigene Wünsche und Ideen entwickelt. So besteht auch hier Interesse daran, AKs speziell für Männer und auch für Leitungen anzubieten, um besser mit dem (für manche noch neuen) Thema männliche Erzieher und ihre Auswirkungen auf die Praxis umzugehen. Dazu passt der Gedanke, nach einer gewissen Zeit zurückzuschauen und zu evaluieren: Was hat sich verändert durch die Männer, wo gibt es Best Practise Beispiele, Fragen, neue Bedarfe? Potenzielle Maßnahmen dazu wären ein Fachtag oder wissenschaftlicher eine Praxisprojekt oder eine Masterarbeit.
Außerdem entstand die Idee, die Kontakte und Erkenntnisse zu Fortbildungen im Kontext Männer in Kitas zu bündeln und öffentlich zugänglich zu machen (als Broschüre, Website etc.)

Der PARITÄTISCHE wird als zentrale Schnittstelle für das Netzwerk angesehen, es besteht allerdings nicht die Erwartungshaltung, dass nur der PARITÄTISCHE für und im Netzwerk aktiv wird. Die Netzwerkpartner sind Multiplikatoren und können unsere Themen selbständig in der Öffentlichkeit vertreten. Als Beispiele wurden der Familientag oder Stadtteilfeste genannt, wo sich Einrichtungen/Institutionen aus dem Netzwerk präsentieren und gleichzeitig auch das Thema MEHR Männer in Kitas befördern können. Dazu stehen einige Aufsteller von Vielfalt, MANN! zur Verfügung.
Weniger konkret aber nicht minder stark sind Wünsche nach Öffentlichkeitsarbeit, um unsere Themen publik zu machen und im öffentlichen Bewusstsein zu halten.
Bezogen auf das zukünftige ESF-Programm zum Quereinstieg gab es die Anregung, dieses mit dem ESF-Projekt Lernort Praxis und der Vielfalt, MANN!-Kampagne zu verknüpfen.


Die zahlreichen Anregungen und Gedanken aus den Foren werden in die Netzwerkarbeit der nächsten Monate einfließen.
Wir danken allen ReferentInnen und TeilnehmerInnen und hoffen, dass die Netzwerk-Energien weiter kräftig fließen werden!